Wien 2020

Sektionsvorschläge (Kurzcharakteristik und Sektionsleitung) werden

bis zum 30. Juni 2019

an den Vorstand des FRV erbeten: frvcontact@uni-potsdam.de

 

Der zwölfte Kongress des Frankoromanistenverbandes wird vom 23. bis zum 26. September 2020 an der Universität Wien stattfinden. Wir freuen uns, dass der Kongress damit erstmals in Österreich zu Gast sein wird. Die Stadt Wien ist ein historisch gewachsener Kreuzungspunkt der Sprachen und Kulturen, an dem sich Ost und West, Nord und Süd begegnen. Als Ort des Austauschs, an dem viele Linien zusammenlaufen und einander überkreuzen, konnte sich Wien im Laufe der Jahrhunderte immer wieder als Laboratorium innovativer Ideen beweisen, in dem kreative Potenziale freigelegt und neue Richtungen eingeschlagen wurden.

Die besondere Rolle Wiens als Kreuzungspunkt wird im Kongressthema aufgegriffen: Au carrefour d’idées – Entscheidungswege. Der FRV möchte mit diesem Thema zu einer interdisziplinären Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Kreuzungspunkten, Begegnungen und dadurch provozierten Entscheidungsprozessen einladen, ausgehend von frankophonen Sprach- und Kulturräumen. Als Leitsymbol des Kongresses verweist der carrefour auf das Aufeinandertreffen verschiedener Linien, die einander berühren und kreuzen – und damit auf die Begegnung von Ideen, kulturellen Praxen und nicht zuletzt von Menschen an geographischen Kreuzungspunkten. Darin wird der carrefour zu einem herausfordernden Ort, an dem Auswahlmöglichkeiten bestehen und Entscheidungen getroffen werden müssen. Dieses Bild kann in seiner horizontalen wie auch in der vertikalen Dimension gedacht werden und zur Reflexion über hierarchische Entscheidungswege und asymmetrische Machtverhältnisse anregen. Das Vorhandensein verschiedener Optionen mag somit auch im Hinblick auf Aushandlungsprozesse oder sogar als Kampf um Deutungsmacht gelesen werden – mit dem zugehörigen Innovations-, aber auch Destruktionspotenzial. Sowohl im konkreten als auch im übertragenen Sinne regt das Kongressthema dazu an, frankoromanistische Kreuzungspunkte und Entscheidungsprozesse zu diskutieren.

Wir laden dazu ein, das Bild des carrefour als Begegnungsraum, an dem Entscheidungsprozesse initialisiert werden, auf Themen mit frankoromanistischem Bezug anzuwenden und zu fragen: Wie funktionieren in einem Begegnungs- und Konfrontationsraum Weichenstellungen und Richtungswechsel? Welche Wendungen nahmen literatur-, sprach- und kulturhistorische Prozesse infolge der Irritation und Inspiration durch Austausch? In welchem Verhältnis stehen die langen Linien von Wandlungsprozessen zu den ereignishaften Momenten der Entscheidung? Welche Neuorientierungen verstehen wir als gesteuert oder als ungesteuert? Unter diesem Aspekt können auch Spracherwerbsprozesse und kulturelle Lernprozesse beleuchtet werden.

Schließlich ergeben sich Möglichkeiten für Fragestellungen gerade aus den Kreuzungsbewegungen zwischen Linguistik, Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft und Fachdidaktik: Wie entstehen an den carrefours neue Bezüge zwischen den einzelnen Disziplinen? Wo entsteht Kreativität und Innovation gerade durch das Querdenken über die Grenzen der Einzeldisziplinen hinweg? In diesem Kontext ermuntern wir insbesondere dazu, über Sektionsthemen nachzudenken, die transversal au carrefour de disciplines angesiedelt sind.

Im Einzelnen könnten z.B. die folgenden Themenfelder im Hinblick auf Entscheidungswege – carrefours d’idées untersucht werden:

Sprachwissenschaft

  • Theoretische Modellierung sprachlicher Entscheidungsprozesse im Hinblick auf kognitive Prozesse und sprachsystematische Beschränkungen
  • Äquivalenz bzw. Austauschbarkeit sprachlicher Varianten
  • Sprachwahl und Sprachverlust in Kontexten von Zwei- und Mehrsprachigkeit, Auswirkung geographischer Bedingungen von Sprachkontakt und Migration
  • Diskussion der Rolle sprachpolitischer Entscheidungen gegenüber dem Wirken der „unsichtbaren Hand“ in der Geschichte des Französischen als westromanischer Sprache, auch im Kontakt zur Ostromania, der Position im romanischen Sprachraum und der Ausdifferenzierung der modernen romanischen Sprachen
  • Entscheidende Faktoren sprachlicher Entwicklungen in Großstädten bzw. der Entstehung neuer Varietäten am Kreuzungspunkt von nationaler Zugehörigkeit, sozialer Herkunft und Gruppenidentität
  • Mechanismen der Emergenz und Verbreitung sprachlicher Innovation des Französischen als Sprache in den sozialen Medien, auch im transnationalen Kontext
  • Aushandlung der Norm im Sprachgebrauch im Spannungsfeld von Standardsprache und Gruppenidentität
  • Orientierungen der Sprachwissenschaft heute

 

Literaturwissenschaft

  • Literarische Inszenierungen von Kreuzungspunkten zwischen Sprachen und Kulturen
  • Literarische Begegnungen und Wechselwirkungen zwischen Frankreich, der Frankophonie und der Welt
  • (De)Kolonisationsbewegungen in der Literatur
  • (Europäische) Metropolen als carrefours d’idées
  • Wege der Innovation: die Avantgarden, das Neue, die Moderne
  • Gattungsgeschichte und Gattungsbildung, Entstehung literarischer Formen und Strömungen
  • Leitfiguren und -texte der Literatur: Kanonbildung
  • Literarische Kontroversen als Auslöser von Neuorientierungen und Richtungswechseln
  • Au carrefour de textes: Intertextualität und ihre Dynamik
  • Kreuzungen und Überschneidungen literaturtheoretischer Ansätze
  • Entscheidungsprozesse und Wegweiser in der Literaturwissenschaft
  • Kreuzungspunkte von Autor, Erzähler, Leser und literarischer Figur
  • Der literarische Text am Kreuzungspunkt zu anderen Künsten (Bildende Kunst, Musik, Film etc.)
  • Phänomene der Überlagerung und Überkreuzung in literarischen Texten
  • Das Motiv des Weges und Umweges, der Kreuzung, Abzweigung und Gabelung in der Literatur

 

Kulturwissenschaft

  • Räume und Medien der (Über-)Kreuzung von Kulturen
  • Kulturtransfer in Frankreich und Frankophonie
  • Dynamik der sozialen Medien als kultureller Kreuzungspunkt
  • Interkulturelle Figuren, Orte, Institutionen
  • Transkulturelle Phänomene
  • Identitätskonstruktion im interkulturellen Raum
  • Au carrefour de médias: aktuelle Formen der Intermedialität
  • Intersektionalität – Kreuzungspunkte der Diskriminierung
  • Travelling concepts – inter- und transkulturelle Theorie- und Methodenbildung

 

Fachdidaktik

  • Französischunterricht am Scheideweg? Au carrefour zwischen Bildung und Bildungspolitik
  • Unterrichtskommunikation als Aushandlungsprozess zwischen Lernenden und Lehrenden
  • Kompetenzentwicklung im Französischunterricht
  • Rekonstruktiv-praxeologische Zugänge zum Französischunterricht
  • Literatur-, Kultur- und Sprachwissenschaft und ihre Austauschbeziehungen als Inspiration für den Französischunterricht
  • Inter- und transkulturelles Lernen und Verstehen
  • Au carrefour de langues: Mehrsprachigkeitskonzepte
  • Französischunterricht im Spektrum der Schulfremdsprachen
  • Kreative Zugänge zur französischen Sprache
  • Ideen und Innovationen im Französischunterricht
  • Au carrefour de stratégies: Französischlernen mit System
  • Aux carrefours d’écoles: Begegnungen zwischen Schülerinnen und Schülern

 

Die genannten Themen sollen als Anregungen für die Bildung von Sektionen verstanden werden, wobei auch Modifikationen und Erweiterungen der Vorschläge willkommen sind.

 

Sektionsvorschläge (Kurzcharakteristik und Sektionsleitung) werden

bis zum 30. Juni 2019

an den Vorstand des FRV erbeten: frvcontact@uni-potsdam.de

 

Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge für Sektionen und die weitere Zusammenarbeit in der Kongressvorbereitung!

 

Mit herzlichen Grüßen

Der Vorstand des FRV