Essen 2010

„Stadt – Kultur – Raum“

7. Kongress des Frankoromanistenverbands von 29.9. bis 2.10.2010 in Essen

Die Stadt in der Dynamik ihrer Räume und Lebensformen ist ein Thema, das Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaftler sowie Vertreter der Fachdidaktik gleichermaßen betrifft. Essen als europäische Kulturhauptstadt des Jahres 2010 ist ideal geeignet, um die Frage nach der Stadt als Ort der dynamischen Konfrontation von Sprache und Sprachen aufzuwerfen. Die Erfahrung städtischer Räume mit ihren symbolischen Grenzen und Grenzüberschreitungen, aber auch in ihren Antagonismen von städtischer Vergangenheit und Veränderung, wird zum Thema neuerer literarischer Entwürfe und Herausforderungen. Nicht zuletzt geht es darum, in kulturwissenschaftlicher Perspektive der Frage nach Stadt und Umraum, städtischem Zentrum und städtischer bzw. ländlicher Peripherie, internen urbanen Antagonismen und Innovationen unter den Bedingungen sich wandelnder politischer, kultureller und wirtschaftlicher Verhältnisse nachzugehen.

Im Einzelnen könnten etwa folgende Themen behandelt werden.

Sprachwissenschaftliche Themen

1. Stadtdialekte als Resultate von Migration und /Koinéisierung/.

2. Die Soziolinguistik städtischer Räume.

3. Die Frankophonie zwischen traditioneller (hexagonaler) Monozentrik und neuer Plurizentrik.

4. Manifestation von Urbanisierung und Urbanität in diversen Formen von Kolloquialität, Jugendsprachlichkeit und Mediendiskursivität

5. Urbanité als Verhaltensnorm: Sprachliche Höflichkeitsforschung und neue Entwicklungen städtischer Kultur- und Lebensformen

6. Kognitive Linguistik des Raums

Daneben sind selbstverständlich auch Sektionen zu anderen aktuellen Problemen der Sprachwissenschaft willkommen, etwa zu den Bereichen

7. Linguistische Theoriebildung (z.B. „Konstruktionsgrammatik“, „generative Grammatik“, „Optimalitätstheorie“, „Grammatikalisierung“ etc.)

8. Empirische Methoden der Linguistik („Korpuslinguistik“, „experimentelle Linguistik“ etc.)

9. Einzelne Funktions- und Phänomenbereiche der Sprache (z.B. „Phonologie“, „Diskursmarker“ etc.)

10. Paradigmen und Methoden der französischen Sprachgeschichtsschreibung

Literaturwissenschaftliche Themen

1. Lesbarkeit und Unlesbarkeit der Stadt

2. Stadtdarstellung als Vorgriff auf Stadtlesbarkeit

3. Wie erscheint die Mitte der Stadt im Horizont der Marginalität?

4. Stadterfahrung in der frankophonen Literatur

5. Neue Stadtmythen in der frankophonen Literatur

6. Die Entdeckung der Banlieue in der Literatur

7. Paris – Berlin. Regards croisés in der französischen Literatur

8. Der Held in der Stadt. Wandlungen eines Topos

9. Utopische Stadtentwürfe

10. Die Konfrontation von Stadt und Land in der Literatur

Kulturwissenschaftliche Themen

1. paradigme spatial in den Kulturwissenschaften: Raumtheorie und Anwendungsfelder

2. Lieu und non-lieu in der französischen und frankophonen Stadt?

3. Pariscliché und Pariswirklichkeit im Film

4. Ist der frankophone Roman ein Produkt des Pariser Marketing?

5. Inwiefern sind die neuen Kommunikationsmöglichkeiten von Blog, e-mail, Internet etc. ein wesentliches Moment für die Herausbildung ganz neuer Formen von urbanem Bewusstsein?

6. Inwiefern ist es das Problem von Zentrum und Peripherie für die modernen Großstädte der Frankophonie noch relevant?

7. Wie verhalten sich Globalisierung und urbane Selbstbehauptung?

8. Gibt es Spezifika der ‚terroirs’, die nicht globalisierbar sind?

9. Welche Bedeutung hat das Quartier in einer modernen urbanen Umwelt?

10. Der Begriff des „Espace“ als neue Kategorie des urbanen Raums

11. Die literarische Darstellung neuer städtischer Erfahrungsräume

12.„Bienvenue chez les Ch’tis“ als Paradigma eines neuen Verhältnisses von Nord und Süd, von Rand und Mitte.

13. Neue Medien und mediale Funktionen der Stadt

14. Die Stadt als Experimentierfeld intermedialer Fokussierung

Literaturdidaktik

1. Parisliteratur in der Schule

2. Paris im Film

3. Paris im Chanson

4. Die Comédie musicale „Notre Dame de Paris“

5. Die Erarbeitung eines Lesebuchs : „Die Großstadt in der frankophonen Welt“ als Initialprojekt.

6. Literarische Korpora im Französischunterricht

Sprachdidaktik

1. Urbanität und urbane Sprachformen (Sprache der cités, Jugendsprache etc.) im Fremdsprachenunterricht

2. Interkulturalität als methodisches Prinzip des Fremdsprachenunterrichts

3. „Bienvenue chez les Ch’tis“: Regionale Varietät im Fremdsprachenunterricht

Die genannten Themen können Anregungen für die Bildung von Sektionen sein, die wir mit diesem Aufruf erbitten. Gewisse Themen, wie das von Zentrum und Peripherie, könnten sich auch für methodisch übergreifende Sektionen, an denen Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaftler gleichermaßen beteiligt wären, eignen. Da die Sektionen auf ein gemeinsames Thema konzentriert sein werden, wird zu prüfen sein, ob die Akten des Frankoromanistentages als Beitrag zur aktuellen Urbanistikforschung nicht gemeinsam veröffentlicht werden können.

Für die Eröffnungsvorträge wurden bereits Marc Augé, Anthony Lodge und Uli Reich gewonnen. Am Ende des Kongresses wird die große Ausstellung Bilder einer Metropole. Die Impressionisten in Paris im Folkwang Museum eröffnet.

Wir freuen uns auf einen anregenden Kongress und sehen Ihren Vorschlägen für Sektionen mit Neugierde entgegen.